„ Und sie bewegt sich doch“

Der erste Agendapunkt unseres jüngsten Investment Forums, welches unsere Chief Investment Officer und Strategen von allen Standorten dieses Mal in Frankfurt versammelte, die Politik, könnte auf eine Kernaussage komprimiert werden: „Unsicherheit“. Unsicherheit in Anbetracht zunehmender geo-politischer Risiken, wie sie der Weltfriedensindex ausweist und wie sie sich in der Medienberichterstattung niederschlagen…


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Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research


Dabei zeigte sich auf dem Forum jedoch eine verlässliche Grundkonstante: die Geldpolitik. Sie bleibt auf globaler Ebene weiter expansiv, egal ob die US-Notenbank Fed in diesem September oder überhaupt noch in diesem Jahr ihren Leitzins anhebt. Aber auch hier brachte das Investment Forum eine neue Konnotation in die Debatte:      

Die Lehre von Japan spätestens zeigt, dass Zentralbankgeld alleine nicht glücklich macht, selbst wenn gleichzeitig die Zinsstrukturkurve – und das nicht nur dort – in weiten Teilen längst im negativen Renditebereich angekommen ist.

Notwendig sind daher besonders zwei Dinge.

1. Strukturell: Die Politik muss durch Reformen Wachstumsfesseln lösen.

2. Konjunkturell: Die Konjunkturdaten müssen halten, was die Aktienbewertungen versprechen.

Damit richtet sich der Blick auf die kommende Woche und den Datenkalender.

Dieser nimmt einen vergleichsweise schläfrigen Anlauf. Am Dienstag stehen für Deutschland die Produzentenpreise an (der Konsensus erwartet einen merklichen Rückgang auf Vorjahresbasis, was die Europäische Zentralbank (EZB) sicher nicht von ihrer expansiven Geldpolitik abbringen dürfte). Am Donnerstag stehen das Verbrauchervertrauen für die Eurozone, der Aktivitätsindex der Chicago Fed sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Frühindikator des Conference Boards (jeweils Für die USA) an. Am Freitag müssen der Einkaufsmanager für das verarbeitende Gewerbe und der Aktivitätsindex für die japanische Industrie zeigen, was von „Abenomics“ in der Realwirtschaft tatsächlich ankommt. Zum Wochenausklang stehen die MarkitEinkaufsmanagerindizes für die Länder des Euroraums an. Es ist zu befürchten, dass sich der drohende „BREXIT“ im Datenkranz bemerkbar macht, sowie auch der ifo-Konjunkturklimaindex für Deutschland bereits schwächer vermeldet wurde.

Die Höhepunkte dürfte wieder einmal die internationalen Geldpolitik liefern. FOMC wie BoJ beginnen ihre Tagungen am Mittwoch. Die Spannbreite der Erwartungen an die japanische Notenbank könnte diffuser nicht sein. Sie reicht von „weiter so“ über technische Anpassungen bis hin zu „noch expansiver“. Also: Viel Gerede – am Ende steigt jedoch nur das Enttäuschungspotential, wenngleich die BoJ auch weiterhin expansiv unterwegs sein wird. Am wichtigsten ist die „ForwardGuidance“ – das Erwartungsmanagement. Und die Fed? Eine Anhebung des Leitzinses dürfte nach der aktuellen Datenlage wie auch nach den jüngsten Äußerungen aus dem Umfeld der Fed vom Tisch sein. Die Markterwartungen hatten zuletzt nur noch eine Anhebungswahrscheinlichkeit von 20% eingepreist. Wir bleiben aber dabei: Im Dezember sollte es heißen: „Und sie bewegt sich doch“.

In der kommenden Woche laufen drei Entwicklungen ineinander über:

1. Die Konjunkturdaten lassen keine klare, schon gar keine klar aufwärtsgerichtete Entwicklung erwarten. Sie stellen also mehr einen Treiber der Volatilität dar.

2. Bei der Geldpolitik heißt es tendenziell: Positiver Marktimpuls der Fed vs. Enttäuschungspotential seitens der BoJ. Dabei sollte die Reaktion der Märkte auf die Fed allerdings außerhalb Japans klar dominieren. Über die Aktienmärkte hinaus könnte der japanischen Yen gegenüber dem USDollars gestärkt werden. 3. Die technische Lage erscheint entspannt. Wie dem Bullen-BärenIndikator zu entnehmen ist, haben die Bullen zwar an Zulauf gewonnen, von einer überschäumenden Stimmungslage kann aber nicht die Rede sein. Gleichzeitig zeigen die Relative-Stärke-Indikatoren für die größeren Aktienmärkte eine neutrale Lage an, was stützenden wirken sollte. Es sieht insgesamt nach einer bewegten Woche aus, die allerdings keinen Ausbruch aus den gewohnten Verhaltensmuster erwarten lässt. 

Quelle: BondWorld.ch