Unternehmen in der Eurozone nach „Brexit“-Votum relativ unbeeindruckt

Fed wartet weiter ab…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die Eurozonen-Einkaufsmanagerindizes zeigten sich bereits Ende letzter Woche widerstandsfähig und kaum beeindruckt vom „Brexit“-Votum. Dies haben diese Woche weitere Umfrageergebnisse bestätigt. Die wichtigen IFO-Geschäftserwartungen sind zwar gesunken. Die Korrektur fiel nach dem starken Vormonatswert allerdings sehr moderat aus, und das Niveau bleibt über dem langfristigen Durchschnitt. Das italienische ISTAT-Geschäftsklima zeigte für Juli sogar leicht nach oben. Und auch die jüngsten Zahlen zur Konsumentenstimmung in den grossen Eurozonen-Länder signalisieren eine unverändert robuste Kaufbereitschaft. Die wird weiterhin von der niedrigen Inflation begünstigt. Die Konsumentenpreise lagen im Juli nur um 0.2% über dem Vorjahresniveau. Und die jüngste Korrektur beim Ölpreis lässt kurzfristig keinen deutlichen Anstieg erwarten. Vor allem die stabile Unternehmensstimmung hat die Erholung an den Aktienmärkten auch diese Woche unterstützt.

In Grossbritannien fielen die letzten Datenveröffentlichungen hingegen nicht so erfreulich aus. Im Gegenteil. Nachdem letzte Woche die Umfrage der Bank of England unter ihren Geschäftskontakten noch verhalten optimistisch klang, mit dem Fazit die britischen Unternehmen wollen ihre Geschäfte wie gewohnt fortsetzen, brachen die Einkaufsmanagerindizes sowie die Umfrage des Unternehmerverbandes CBI zum Geschäftsausblick diese Woche ein. Der Composite PMI ist auf das tiefste Niveau seit der Lehman-Rezession gefallen. Darüber hinaus hat auch das Konsumentenvertrauen kräftig nachgegeben. Die schlechten Zahlen haben die Erwartungen in die Höhe getrieben, dass die Bank of England vielleicht bereits bei ihrer nächsten Lagebeurteilung kommende Woche die Geldpolitik lockert. Auch die Bank of Japan hat diese Woche im Zuge der Ankündigung weiterer fiskalischer Stimulusmassnahmen durch die japanische Regierung ihre Geldpolitik abermals ausgeweitet

In den USA hingegen haben sich die Wachstumsaussichten nach weiteren positiven Konjunkturdaten wieder aufgehellt. Dennoch hat die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen bei ihrer Juli-Sitzung wie erwartet unverändert belassen. Die Einschätzung zur Wirtschaftslage fiel wieder positiver aus. Und die „kurzfristigen“ Risiken haben nach Ansicht der Fed jüngst abgenommen – vor allem wegen der raschen Erholung der Finanzmärkte nach dem ersten „Brexit“-Schock. Unabhängig vom kurzfristigen Ausblick bleiben jedoch erhebliche globale Risiken bestehen, zudem besteht erhöhte Unsicherheit über die Auswirkungen der US-Präsidentschaftswahl. Entsprechend hat die Fed in der aktuellen Lagebeurteilung verbal keine Signale für die konkrete Vorbereitung einer nächsten Zinserhöhung gegeben. Sie hält sich für die kommenden Sitzungen alle Optionen offen. Damit haben sich nach dem Fed-Entscheid die Zinserwartungen kaum verändert und der Dollar hat sogar nachgegeben. Die Erwartungen für einen Zinsschritt bei der nächsten Sitzung im September bleiben niedrig. Nächste Woche liefern die ISM-Umfragen und der Arbeitsmarktbericht den Notenbankern die nächsten wichtigen Informationen über den Zustand der US-Wirtschaft. Die regionalen Unternehmensumfragen zeigten sich jüngst verbessert. Und die Beschäftigungserwartungen sind sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor angestiegen.

In der Schweiz stehen nächste Woche nach dem Nationalfeiertag neben dem Einkaufsmanagerindex (PMI) Daten zu den Detailhandelsumsätzen im Juni sowie das vierteljährliche SECO-Konsumentenvertrauen an. Zudem veröffentlicht die Nationalbank neue Zahlen zu den Devisenreserven. Diese sollten für Juli erneut einen spürbaren Anstieg zeigen. Denn die SNB hat nach dem „Brexit“-Entscheid am Devisenmarkt interveniert. Seit dem Referendum sind die Sichteinlagen der inländischen Banken bei der SNB um über 15 Mrd. CHF angestiegen. Die wöchentlichen Daten zu den Sichteinlagen zeigten diese Woche allerdings keinen weiteren Anstieg mehr.

Quelle: BONDWorld.ch