„US-Dollar Stärke voraus?“

Die abgelaufene Kalenderwoche begann, wie sie endete: Mit teils neuen Höchstständen an den internationalen Aktienmärkten. So schien selbst das Eurogruppen Treffen der Finanzminister in Brüssel, bei dem der Abschluss der zweiten Überprüfung des IWF-Programms für Griechenland diskutiert wurde, kaum ein Thema für die Kapitalmärkte……


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Von Stefan Scheurer Director, Global Capital  Markets & Thematic Research


Eher kamen trotz oder wegen neuer Aktienmarkthöchststände zuletzt erste Zweifel auf, wie lange der seit Mitte 2016 beginnende Impuls der Reflationierung noch anhalten könnte. Denn während der zyklische Aufschwung bereits recht weit vorangeschritten ist und die letzten Konjunkturdatenpunkte eher gemischt ausfielen, scheint auch das Überraschungspotential konjunktureller Datenpunkte allmählich seinen Höchststand erreicht zu haben. Dennoch: die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes aus Japan und der Eurozone sowie die jüngsten US-Konjunkturdaten untermauern nicht nur das weiterhin intakte Reflationierungsszenario, sondern auch unsere Einschätzung, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen um mehr als bisher vom Markt erwartet anheben könnte – so preist der Markt aktuell eine Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im März von 34% bzw. 62% für Mai und gar 76% für Juni ein. Damit sollte 2017 aber noch nicht Schluss sein.

In diesem Kontext könnte es aus unserer Sicht auch zu einem zyklischen Überschießen des US-Dollars in den kommenden Monaten kommen, trotz ambitionierter Bewertung und stark einseitiger Positionierung. So spricht nicht nur eine weniger akkommodierende Geldpolitik im Zuge eines fiskalischen Stimulus dafür, sondern auch eine mögliche Veränderung des US-Steuersystems bzw. die potentielle Verhängung von protektionistischen Maßnahmen. Das könnte ihn Summe nicht nur Druck auf die Rohstoffe ausüben, sondern auch auf die Währungen der Emerging Markets.

Selbst in China scheint man sich einer weiteren Dollar-Stärke bewusst, wenngleich die Straffung der Zinsen zuletzt eher vor dem Hintergrund zur Eindämmung von Vermögenspreisblasen gesehen werden sollte. Selbst wenn der Bericht über die Geldpolitik (Q4) der chinesischen Notenbank eine stabile und neutrale Geldpolitik als derzeitiges Ziel hervorhebt, dürfte der chinesische Renminbi im Zuge eines stärkerer US-Dollar bzw. schwächeren Fundamentaldaten auch in 2017 mit weiteren Abwertungstendenzen zu kämpfen haben, trotz zunehmender Kapitalverkehrskontrollen. Da scheint die Drohung der USA China als Währungsmanipulator und des Preisdumpings zu beschuldigen fragwürdig. Im Gegenteil: Die USA dürften eher benachteiligt sein, denn der Anteil der US-Exporte nach China stieg relativ zu dem Anteil der Exporte Chinas in die USA an. Und dieser Trend scheint im Zuge der konjunkturellen Ausrichtung Chinas – höherer Anteil des Dienstleistungssektors – weiter anzuhalten (siehe Grafik der Woche).

Die kommende Kalenderwoche beginnt in den USA mit den Auftragseingängen für langlebige Kapitalgüter (Mo), gefolgt von den Frühindikatoren der Richmond Fed bzw. der Chicago Fed (Di) sowie des ISM-Einkaufsmanagerindex (Mi) – jeweils zum verarbeitenden Gewerbe. Jene Indikatoren sollten eine leichte Beschleunigung der Konjunkturdynamik erwarten lassen, das sich auch in der zweiten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts widerspiegeln dürfte. Während der Index des Verbrauchervertrauens (Di) laut Konsensus einen leichten Rückgang verzeichnen sollte, könnte das „Beige Book“ (Mi) weitere Erkenntnisse über den zukünftigen US-Zinspfad liefern. In diesem Kontext ist der PCE Deflator (Mi) von besonderem Interesse. Nach den kräftig gestiegenen Verbraucher-preisen scheint das von der Fed präferierte Inflationsmaß den Reflationierungstrend ebenfalls fortzuschreiben – mit einer höheren implizierten Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes.

Im Euroraum sind es neben diversen Stimmungsindikatoren (Mo) die Verbraucherpreise (Di, Mi), die Aufmerksamkeit unter Investoren erlangen sollten. Die Einzelhandelsumsätze (Fr) runden den ökonomischen Datenkranz ab, während die Q4-Berichtssaison noch im vollen Gange ist. Knapp 40 Unternehmen veröffentlichen in der kommenden Kalenderwoche in Zahlenwerk bzw. 13% der Marktkapitalisierung des Euro Stoxx. Für Deutschland sollten einzig die Arbeitsmarktdaten (Mi) von Relevanz sein, während im Vereinigten Königreich der Fokus auf dem GfK-Konsumklimaindikator (Di) und dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Mi) gerichtet sein dürfte.

In Asien sollte sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf China – Einkaufsmanagerindizes für das Dienstleistungs- als auch das verarbeitende Gewerbe (Mi, Fr); letztere mit einem leichten Rückgang erwartet – sowie insbesondere auf Japan richten, wo neben der Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen (Di), die unterschiedlichen Abgrenzungen der Verbraucherpreise (Fr) im Fokus stehen dürften. Während die Yen-Schwäche den Unternehmensgewinnen Rückenwind beschert hat, könnte dies nun auch auf die Inflation durchschlagen.

So bleibt der Reflationierungstrend vor dem Hintergrund der vor allem in den Industrieländern weiter anziehenden Inflationsraten intakt. Marktteilnehmer scheinen sich entsprechend zu positionieren – der gestiegene Anteil der Bullen am Markt bzw. die vermehrt eingegangenen Call-Optionen deuten darauf hin. Während dies für einen zyklischen Anstieg von (US-)Staatsanleiherenditen spricht, übt es zusätzlichen Druck auf die Fed aus, mit der Normalisierung ihrer akkommodierenden Geldpolitik fortzufahren, wovon aus der USDollar zum finalen Aufschwung ansetzen könnte.

Quelle: BondWorld.ch