Vontobel Asset Management : Ausblick für Unternehmensanleihen

Die grundlegende Frage für 2017 lautet: Wie können Anleiheinvestoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch ansprechende Renditen erzielen? Die klare Antwort: mit Unternehmensanleihen. Höhere Spreads und verlässliche Zinskupons aus Anleihen von Qualitätsunternehmen sorgen für einen insgesamt positiven Carry. Und daran dürfte sich auch 2017 nichts ändern. Dieses für Unternehmensanleihen günstige Umfeld bezeichnen wir als „Spread Carry Run“….


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld Click here to register for your free copy 


Mondher Bettaieb, Leiter Corporate Bonds bei Vontobel Asset Managemen


Aber blicken wir zunächst in die USA. Die Folgen des Politikwechsels unter Donald Trump für die Wirtschaft werden sich frühestens Ende des ersten Halbjahres zeigen. Die Chancen stehen gut, dass die Inflation nicht weiter steigt. So würde sich etwa die Aufhebung von Obamas Gesundheitsreform preishemmend auswirken. Wir glauben daher, dass die Renditen nicht mehr deutlich weiter steigen werden und die große Neubewertung möglicherweise schon hinter uns liegt. Wichtiger aber ist, dass die Renditeschwankungen in den USA nicht auf die Spreads von Unternehmensanleihen übergegriffen haben. Deren Risikoaufschläge sind nach der Wahl Trumps sogar gesunken.

„Höhere Spreads und verlässliche Zinskupons aus Anleihen von Qualitätsunternehmen sorgen für einen insgesamt positiven Carry. Und daran dürfte sich auch 2017 nichts ändern.“

Die Trump-Präsidentschaft schafft überdies attraktive Anlagechancen in bestimmten Branchen. Ich denke dabei in den USA besonders an den Banken -, Energie- und Bausektor. Steilere Renditekurven kommen US-Banken zugute, denn steigende Nettozinsmargen wirken sich günstig auf ihre Profitabilität aus. Eine US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bedeutet im Allgemeinen auch, dass die Ausfallquoten sinken und sich die Asset -Qualität der Banken bessert.

Gerechnet wird ferner mit weniger Neuemissionen amerikanischer Unternehmensanleihen in diesem Jahr verglichen mit dem Rekordjahr 2016. Auch der Anstieg der M&A-Transaktionen hat sich verlangsamt. Zugleich werden amerikanische Firmen verstärkt in Europa erwirtschaftete Gewinne zurück ins Land holen. Auch das dürfte sich positiv auf die Spreads von Unternehmensanleihen auswirken. Zu guter Letzt dürften Anleger aus Asien und Europa angesichts der attraktiveren Renditen auch weiter US-Anleihen kaufen. Anleiheinvestoren auf der Suche nach höheren Kupons und Potenzial für eine Spread-Verengung bei zugleich begrenzter Volatilität sollten bei US-Unternehmensanleihen − und insbesondere solchen aus dem mittleren Ratingsegment von A bis BBB − fündig werden.

Und auch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt eine Stütze. Der von Draghi als Vertrauensbeweis in die europäische Wirtschaft bezeichnete Beschluss der EZB sieht die Verlängerung ihres aktuellen Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) bis Ende 2017 vor. Zugleich wird das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe von 80 Mrd. EUR auf 60 Mrd. EUR reduziert. Die positive Wirkung des reibungslos laufenden CSPP ist unstrittig. Seit dem Start des Programms im Juni letzten Jahres haben die europäischen Währungshüter bis Ende November Unternehmensanleihen im Volumen von 48 Mrd. EUR gekauft. Das entspricht im Schnitt Käufen von 8 Mrd. EUR pro Monat und könnte reichen, um das gesamte geschätzte Nettoangebot in diesem Jahr aufzukaufen. Unsere Analysten erwarten für 2017 ein Nettoemissionsvolumen bei europäischen Unternehmensanleihen aus dem Nichtfinanzsektor von etwa 75 Mrd. EUR. Allein die Nachfrage der EZB wäre demnach ausreichend, um das gesamte Angebot zu absorbieren, selbst wenn die Zentralbank ihre Unternehmensanleihenkäufe auf 6 Mrd. EUR pro Monat verringert.

Nun zur Inflation, die in diesem Jahr weltweit wohl kaum wesentlich steigen wird. Der Preisauftrieb beschleunigt sich nämlich nur dann, wenn zugleich wieder mehr in Produktionsanlagen investiert wird. Da aber die Unternehmen nach wie vor nur über geringe Preissetzungsmacht verfügen, dürften sie überall auf der Welt höhere Investitionen scheuen. Wegen der Inflation mache ich mir daher keine allzu großen Sorgen.

Hochzinsanleihen sollten nach unserer Einschätzung in diesem Jahr in keinem Anlegerportfolio fehlen. Kuponerträge bleiben eine der besten Möglichkeiten, im aktuellen Umfeld eine nennenswerte Rendite zu erzielen. Im letzten Jahr haben sich die Spreads zwar verengt. Aber noch liegen sie über den 2014 nach der Lehman-Pleite erreichten engsten Niveaus. Nach aktuellen Prognosen dürften die Ausfallraten um ihre langjährigen Durchschnittswerte bzw. darunter tendieren. Hochzinsanleihen zeichnen sich zudem durch eine der kürzesten Durationen im Festzinsuniversum aus. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang europäische Hochzinsanleihen, die man leicht übersieht, wenn man nur die Rendite im Blick hat. In den USA liegt die Rendite im Schnitt bei rund 6%, in Europa bei etwa 3% . Dafür gibt es gute Gründe.

US-Staatsanleihen rentieren rund 240 Basispunkte über Bunds. Durch Absichern des Währungsrisikos schmilzt jedoch der Großteil des Renditeplus dahin. Zugleich haben europäische Hochzinspapiere eine kürzere Duration als ihre US-Pendants, während in Europa mehr Anleihen der Ratingkategorie BB und weniger der Kategorie B zu finden sind als in den USA. Wir empfehlen High-Yield-Anlegern daher, nicht nur auf die Spreads, sondern auch auf das Rating zu schauen und den Durationsunterschied zu berücksichtigen. Werden auch diese Faktoren in den Vergleich mit einbezogen, sind die Spreads am europäischen Hochzinsmarkt um einiges weiter als am US- Markt.

„Kuponerträge bleiben eine der besten Möglichkeiten, im aktuellen Umfeld eine nennenswerte Rendite zu erzielen.“

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren für globa le Unternehmensanleihen deutet sich der Beginn eines Goldilocks-Szenarios an: Die Wirtschaft nimmt Fahrt auf, die Inflation beschleunigt sich in Richtung Zielmarke, die Zentralbanken erwägen

Zinsstraffungen und die meisten Vermögenswerte entwickeln sich nach wie vor gut. Bei diesen Rahmenbedingungen sind wir für 2017 zuversichtlich. Anlegern raten wir Ruhe zu bewahren und zu einem weiteren Engagement in Unternehmensanleihen.

Source: BondWorld.ch