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Vontobel Asset Management : Q&A mit Frank Häusler

Vontobel Asset Management : Welche ausserordentlichen Massnahmen könnte die EZB ergreifen, um eine wirtschaftliche Belastung in der EU durch das Coronavirus zu vermeiden?

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Frank Häusler, Chief Strategist bei Vontobel Asset Management


Abgesehen von einer Zinssenkung um 10 Basispunkte erwarten wir, dass die EZB die Käufe von Vermögenswerten erhöht und die Liquidität durch TLTRO’s (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) sichert. Was vermieden werden muss, ist ein Ausfallzyklus, der die Banken erneut treffen würde.

Die Massnahmen sollten so ausgerichtet werden (wie es die BoE gerade getan hat), dass die zusätzliche Liquidität auf der Ebene der KMU (kleine und mittlere Unternehmen) landet, da diese Firmen (und Familienbetriebe) in der Regel am stärksten von mangelnden Cashflows betroffen sind und ihre Liquiditätsplanung oft schwach ausgeprägt ist. Daher könnte die EZB eine spezielle Zielkreditlinie für Banken einrichten, die darauf zugeschnitten ist, die Kreditvergabe an KMU zu verbessern und auch Banken mit potenziellen Problemen in Bezug auf notleidende Kredite zu unterstützen. Es gilt, einen Teufelskreis zu vermeiden, in dem fehlende Einnahmen für Unternehmen zu Insolvenzen führen, die wiederum notleidende Kredite bei Banken schaffen und schliesslich zu einem Kreditengpass führen.

Glauben Sie, dass fiskalische Interventionen bei der Bekämpfung des durch das Coronavirus verursachten wirtschaftlichen Schadens wirksamer wären als monetäre Massnahmen? Welche Anstrengungen könnten die Regierungen auf nationaler Ebene unternehmen?

Das Hauptmandat der EZB ist die Preisstabilität, und deshalb ist es im Rahmen ihres Mandats sinnvoll, zunehmenden deflationären Tendenzen entgegenzuwirken. Eine direkte Einflussnahme auf die Wirtschaftstätigkeit ist für die EZB jedoch schwierig (d.h. Aktionen, die direkt auf die Nachfrageseite abzielen). Hier wird die Finanzpolitik eine entscheidende Rolle spielen. Was wichtig ist: erstens ein koordiniertes, gross angelegtes Programm in verschiedenen Ländern und zweitens, dass dieses so strukturiert ist, dass es die Probleme des Corona-Virus-Schocks (Nachfrage und Angebot) in erster Linie abschwächt. So könnten zum Beispiel anstehende Kosten für Unternehmen und Haushalte durch Kürzungen oder Aufschub von Steuer- und Sozialversicherungszahlungen reduziert werden. Die Einrichtung und Gewährleistung eines leichten Zugangs zu finanzieller Unterstützung im Falle von Kurzarbeit wäre ebenfalls hilfreich. So können Unternehmen Entlassungen umgehen und Löhne auch weiterhin zahlen, was schlussendlich den Konsum am Leben erhält. Zusätzlich könnten finanzielle Unterstützung für die Gesundheitsversorgung und Überbrückungsfinanzierungen in Betracht gezogen werden. Alle erstgenannten Massnahmen müssen den stärksten Fokus auf KMU und kleine Familienbetriebe legen. Längerfristig können Investitionen die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Nationen erhöhen (siehe z.B. die Technologieprogramme in China).

Wie ist der Ausblick für die Geldpolitik der EZB im Jahr 2020?

Für 2020 sehen wir keine Zinserhöhung. Die EZB wird die Liquiditätsmassnahmen und den Kauf von Vermögenswerten schnell wieder einstellen – dies wird aber nicht vor dem zweiten Halbjahr 2020 passieren. Wir gehen von einer U- und nicht von einer V-förmigen Erholung aus.

Hat die BoE mit der Zinssenkung das Richtige getan?

Losgelöst vom Coronavirus waren die Makrodaten heute Morgen enttäuschend, sowohl das BIP als auch die Industrieproduktion und der Ölpreisschock belasten die Wirtschaft. Angesichts der zusätzlichen vom Brexit herrührenden Unsicherheit, die einen Schatten auf die britische Wirtschaft wirft, verstehen wir das Vorgehen der BoE. In ihrer Mitteilung erwähnte sie bereits, dass sie eng mit der Regierung zusammenarbeitet und ihre Massnahmen mit einem umfangreichen Finanzpaket einhergehen werden.

Quelle: BONDWorld