„Vorübergehende Trendabweichung“

Zwei Super-Hurrikane haben die US-Städte Houston und Miami heimgesucht, dabei Menschenleben gefordert sowie erhebliche Sachschäden verursacht……

Charles Ma Client Investment Strategist  Greater China & South East Asia Retail Distribution


Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen. Da Houston ein bedeutendes Produktionszentrum für petrochemische Erzeugnisse und Miami ein wichtiges Reiseziel ist, gehen wir davon aus, dass die Konjunkturdaten aus den USA in den kommenden Wochen die durch die Wirbelstürme verursachten Störungen entsprechend widerspiegeln werden. Wenn jedoch die Vergangenheit als Hinweis dienen kann, dann sollte die Trendabweichung der US-Daten nur vorübergehend sein. So wurden im Jahr 2005 deutlich niedrigere Umsätze im US-Einzelhandel gemessen, nachdem zwei Hurrikane den Süden der USA getroffen hatten. Doch schon binnen weniger Monate, als die WiederaufbauBemühungen zu wirken angefangen hatten, zogen die Einzelhandelsumsätze wieder an. 

In der abgelaufenen Woche bewegten sich die regionalen Aktienmärkte nach der September-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed in unterschiedliche Richtungen. Europäische Aktien vollzogen dabei einen Kurswechsel und setzten sich gegenüber ihren US-Pendants durch, während Schwellenländeraktien nachgaben. Gleichzeitig hat der EUR seinen Aufwertungstrend (gegenüber dem USD) erst einmal beendet. Durch den schwächeren Euro verbesserte sich die Stimmung gegenüber europäischen Aktien.  

Die Woche voraus

In den USA werden in der nächsten Woche die September-Zahlen des ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe und seines Pendants der US-Einkaufsmanagerindex im nicht-verarbeitenden Gewerbe gemeldet. Nach dem höchsten Stand seit zwei Jahren ist nicht auszuschließen, dass sich der ISM-Einkaufsmanagerindex im September abschwächt, dabei aber immer noch deutlich in der Expansionszone oberhalb der neutralen Marke von 50 Punkten verbleibt. Als harte Daten dazu werden nächste Woche die Fertigungsaufträge für August veröffentlicht. Nachdem der Auftragseingang in der US-Industrie im Juli um 3% gegenüber dem Vormonat gesunken war, erwartet der Markt für August nun eine Stabilisierung mit einem kleinen Zugewinn. 

Der Auftragseingang im Monatsvergleich unterliegt aufgrund der Aufträge für Zivilflugzeuge häufig großen Schwankungen. Auf Jahresvergleichsbasis befinden sich die US-Auftragseingänge seit zwei Jahren im Aufwärtstrend. Nächste Woche werden außerdem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche zum 30. September und die Arbeitslosenquote für den Monat September bekannt gegeben. Im bisherigen Monatsverlauf ist die Zahl der wöchentlichen Erstanträge kontinuierlich gesunken. In der nächsten Woche könnte indes ein leichter Anstieg vermeldet werden, der im Wesentlichen auf die Wirbelstürme zurückzuführen ist. Auf aggregierter Basis dürfte die Zahl der wöchentlichen Erstanträge im September zu einer Arbeitslosenquote führen, die bei 4,4 % auf dem Niveau des Vormonats verharrt.

In Europa veröffentlicht Markit am kommenden Montag den endgültigen Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone. Der Markit-Fertigungs-PMI für die Eurozone tendiert seit Mitte 2016 nach oben, und der vorläufige Wert von 56,7 Punkten für September war der höchste seit fünf Jahren. Gemessen an der Entwicklung des ZEW-Index zur Konjunkturerwartung in Deutschland sollte der Markit-Index für September weiterhin ein hohes Ergebnis ausweisen. Der ZEWKonjunkturindikator legte im September auf 17 Zähler zu und übertraf damit die Markterwartung von 12 Punkten. Am selben Tag werden auch die Arbeitslosenzahlen der Eurozone für August verfügbar sein. Da die Wirtschaft in der Eurozone weiter wächst, sollte sich der Abwärtstrend der Arbeitslosenquote fortsetzen. Ebenfalls nächste Woche wird der Markit-Einkaufsmanagerindex für das britische verarbeitende Gewerbe im September veröffentlicht. Obwohl der Index im August die Markterwartungen übertroffen hat, bleibt die Wirtschaftslage in Großbritannien schwierig. Die britische Handelskammer hat daher kürzlich ihre Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt 2018 und 2019 nach unten korrigiert und dies mit einem geringeren Nettohandelsbeitrag sowie einem verhalteneren privaten Konsum begründet.

Trotz des durch die Nordkorea-Krise bedingten erhöhten geopolitischen Risikos bleibt die globale Konjunktur weiterhin auf Kurs. Zwar könnten sich die US-Makrodaten in den kommenden Wochen aufgrund der Hurrikane abschwächen; diese Verwerfung sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein und würde die amerikanische Wirtschaft nicht von ihrem Erholungspfad abbringen. Der Aufschwung in der Eurozone gewinnt weiter an Tempo.

Source: BondWordl