„Vorweihnachtliche Kapitalmarktfreuden“

Am Wochenende läuteten in Frankfurt die ersten Schneeflocken feierlich den Advent ein…

Ann-Katrin Petersen Vice President, Global Economics & Strategy


Und auch an den Börse überwiegt die vorweihnachtliche Feststimmung. Der globale Wirtschaftsaufschwung sorgt derzeit für einen prall gefüllten Gabentisch. Wie unser hauseigener „Macro Breath Index“ zeigt, hat sich der weltweite Makrodatenfluss in den letzten drei Monaten spürbar verbessert. Darüber hinaus weckte in den USA ein wichtiger Etappensieg bei der geplanten Steuersenkung – eines der wichtigsten Reformprojekte von Präsident Donald Trump – erneut Hoffnungen auf fiskalpolitische Impulse. 

Die Woche voraus Ein gut bestückter Datenkalender lässt erahnen, dass es in der nächsten Handelswoche noch nicht geruhsam zugehen wird. Eine Reihe wichtiger Frühindikatoren – darunter die Einkaufsmanagerindizes für die USA und den Euroraum (Do) sowie der japanische Tankan-Bericht (Fr) – beleuchten die Konjunkturperspektiven zum Jahresauftakt. Zuletzt waren etwas schwächere Konjunkturdaten in den Schwellenländern – hauptsächlich getrieben durch zunehmende Anzeichen einer graduellen Abkühlung in China (wo am Donnerstag Industrieproduktionszahlen im Fokus stehen) – durch die anhaltende Stärke in den Industrieländern ausgeglichen worden. Insgesamt dürfte die Weltwirtschaft Richtung 2018 klar auf Wachstumskurs über Potenzial bleiben und fortgesetzt die Gewinnentwicklung der Unternehmen beflügeln. Gleichzeitig ist aber angesichts des bereits günstigen Konjunkturumfelds der Raum für weitere positive Datenüberraschungen begrenzt.

Den Gipfel der Börsenwoche bilden die Sitzungen von gleich fünf Notenbanken, auf deren Wunschzetteln die nachhaltige Wiederankurbelung der Inflation in Richtung Preisstabilitätsziel steht.

1. Die dritte Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed in diesem Jahr (auf ein Zielband von 1,25% bis 1,50%) dürfte an den Finanzmärkten relativ geräuschlos vonstattengehen. Im Fokus wird vielmehr stehen, ob die neuen Makro-Projektionen Hinweise auf einen steiler oder flacher als erwarteten Leitzinserhöhungspfad geben. So mancher Beobachter fragt sich, ob die Fed die Zinsrute künftig häufiger hervorholen wird als derzeit von den Rentenmärkten eingepreist – nicht zuletzt angesichts der avisierten Steuersenkungen und Finanzmarktderegulierungen.

2.Beständig rieselt dagegen die Notenbankliquidität im Euroraum, wo die Reinvestition auslaufender Wertpapiere den BruttoImpuls der quantitativen Lockerung (QE) erhöht (siehe unsere Grafik der Woche). Unbeeindruckt vom geschäftigen Weihnachtstrubel hat die Europäische Zentralbank (EZB) die drei Gebote „Beharrlichkeit, Vorsicht und Geduld“ für sich entdeckt, zumindest was ihre geldpolitische Normalisierungsstrategie anbelangt. Auch wenn die auf der Ratssitzung (Do) vorgestellten neuen Makro-Projektionen eine spürbare Annäherung der Inflationsprognose für das Jahr 2020 an die 2%-Zielmarke signalisieren könnten, wird sich die EZB voraussichtlich bis zu den Sommermonaten Zeit lassen, um einen „QE-Exit“ anzukündigen – und bis Mitte 2019, um einen ersten Zinsschritt zu wagen.

3.Auch bei der Norges Bank (Do) stehen die Zeichen auf eine behutsame Normalisierung. Bestätigt sich ihre Zuversicht im Hinblick auf die norwegische Wirtschaftsentwicklung, ist ein erster Zinsschritt im Verlauf des nächsten Jahres möglich.

4. In der Schweiz wiederum haben sich die Konjunkturperspektiven jüngst zwar aufgehellt, die Preisentwicklungen ist aber nach wie vor verhalten. Die Schweizerische Notenbank (SNB) dürfte daher ihren Leitzins unverändert bei -0,75% belassen (Do). Sie befindet sich gewissermaßen im Schlepptau der EZB, um einer erneuten, kräftigen Aufwertung des Franken entgegenzuwirken, die importierte Güter verbilligt.

5. Die Bank of England (BoE) wird am Donnerstag erneut abwägen müssen zwischen Brexit-bedingten Wirtschaftsrisiken einerseits und hohen Inflationsraten – sie dürften erneut das 2%Ziel überschossen haben (Di) – und einer rekordtiefen Arbeitslosigkeit (Mi) andererseits. Gegenwärtig dürfte die BoE aber keine Eile haben, dem Anfang November erfolgten ersten Zinsschritt seit zehn Jahren (um 25 Basispunkte auf 0,5%) weitere folgen zu lassen.

Im Kern ist im Advent also weder mit zusätzlichen „(Zentralbank)Geldgeschenken“ zu rechnen, noch mit einer raschen Normalisierung der Geldpolitik. Für 2018 erwarten wir unverändert, dass die globale Zentralbankliquidität ihren Höhepunkt erreicht, begleitet von einem moderaten Renditeaufwärtsdruck an den Anleihemärkten.

Politische Spannungen wie der schwelende Nahost-Konflikt könnten dagegen der Feststimmung auf der politischen Bühne und an den Börsen einen Dämpfer verpassen. In Europa dürften die Auseinandersetzungen der britischen Regierung und ihr geschwächtes Mandat Premierministerin Theresa May wohl kaum das Warten auf den EU-Gipfel (Do-Fr) versüßen, wo die stockenden Brexit-Verhandlungen in den Jahresendspurt gehen. Positiv von den Märkten würde aufgefasst, wenn eine Einigung in Bezug auf die Austrittsrechnung („Brexit Bill“) und nordirische Außengrenze endlich die zweite Verhandlungsrunde einläutete. Im Zentrum der von den Briten ersehnten zweiten Phase werden die künftigen Beziehungen zur EU stehen. Nach wie vor ist unklar, auf welche Weise der Austritt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern wird. Doch seit Kindertagen wissen wir: Selten werden zu Weihnachten sämtliche Wünsche erfüllt. So würde die von May bemühte zweijährige Übergangsphase ab März 2019 mehr Zeit  erkaufen, aber die Briten vom Regelgeber zum Regelnehmer degradieren.

In einem Kapitalmarktumfeld, in dem die eine oder andere Rute politischer Unwägbarkeiten lauert und in dem zu hohe Erwartungen an konjunkturelle oder geldpolitische Gaben enttäuscht werden könnten, ist weiterhin das Fingerspitzengefühl aktiver Fondsmanager gefragt,

meint Ihre

Source: BondWorld