Weiterhin gute Stimmungsdaten in der Eurozone

Geldmarktsätze in den USA steigen…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die europäische Unternehmensstimmung war im August uneinheitlich. Der Anstieg des französischen Einkaufsmanagerindex hat überrascht. Die Umfrageergebnisse aus Deutschland enttäuschten dagegen eher. Das gilt insbesondere für den IfoGeschäftsklimaindex, der nach den starken Vormonaten überraschend fiel. Beim deutschen PMI wiederum resultierte ein leicht stärkerer Rückgang als erwartet. Beide Indikatoren bleiben jedoch weiter klar über dem Langfristdurchschnitt. Und die robuste Bewertung der Exportaufträge deutet nicht auf spürbare negative Effekte des Brexit-Entscheids hin. Auf gesamteuropäischer Ebene zeigen sich die Unternehmen unverändert in guter Stimmung. Der Composite PMI für die gesamte Eurozone legte sogar geringfügig zu. Das europäische Konsumentenvertrauen, für welches die einzelnen Länderdaten noch nicht vorliegen, hat unterdessen im August wie bereits im Vormonat leicht abgenommen, liegt aber nach wie vor auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Die niedrigen Inflation und die voranschreitende Verbesserung am Arbeitsmarkt sorgen beim Privatkonsum weiterhin für Rückenwind. Auch die EZB beurteilte die Konsumdynamik zuletzt als solide.

Insgesamt zeigen die Umfragen bei den Unternehmen und Privatverbrauchern also auch im August kaum Anzeichen für eine wesentliche Eintrübung der Konjunkturentwicklung infolge des Brexit-Votums. Gewisse negative Effekte aufgrund der Abkühlung der britischen Wirtschaft sind zwar weiterhin zu erwarten, die initialen Schreckensszenarien nach dem BrexitSchock sind mittlerweile aber in den Hintergrund geraten. Dies war in den letzten Wochen ein wichtiger Faktor für die ruhige Stimmung an den Finanzmärkten. Die Schwankungen an den globalen Aktien- und Obligationenmärkten waren äusserst gering, insbesondere in den USA, wo der Volatilitätsindex VIX zwischenzeitlich auf ein Mehrjahrestief gefallen ist.

In den letzten Tagen hat sich an den Märkten in Erwartung der jährlichen Zentralbanken-Konferenz in Jackson Hole aber wieder Unsicherheit breit gemacht. Einige US-Notenbanker haben zuletzt wieder eine baldige Zinserhöhung in Spiel gebracht und der Markt wartet gespannt darauf, ob auch die FedVorsitzende Janet Yellen entsprechende Signale gibt. Die Ungewissheit und das Rätselraten über den Kurs der USNotenbank haben in den letzten Jahren immer wieder für Nervosität an den Märkten gesorgt. Währenddessen gab es zuletzt kaum wichtige neue Konjunkturdaten, welche die USZinspolitik beeinflussen könnten. Dies ändert sich nächste Woche, wenn der ISM für das Verarbeitende Gewerbe und der neue Arbeitsmarktbericht zur Veröffentlichung anstehen. Bei beiden werden allerdings etwas schlechtere Werte erwartet. Die regionalen Umfragen zur Unternehmensstimmung fielen durchmischt aus. Die Dynamik am Arbeitsmarkt wiederum dürfte sich nach zwei Monaten mit sehr starkem Stellenwachstum wieder etwas abkühlen.

Aufgefallen ist in den USA diese Woche wieder der leichte Anstieg bei den Geldmarktsätzen. Der Dreimonats-Libor notiert aktuell bei 0.8%, der Jahressatz gar bei rund 1.5%. Dies sind 20 resp. 30 Basispunkte mehr als noch im Juni. Der Anstieg diesen Sommer ist jedoch nicht primär auf gestiegene Zinserwartungen zurückzuführen, sondern vielmehr auf neue regulatorische Anforderungen, die Mitte Oktober in Kraft treten. Etwa die Hälfte der US-Geldmarktfonds müssen dann ihren Anteil an Treasury-Bills erhöhen – zu Lasten von anderen Geldmarktpapieren wie etwa kurzfristigen Bankanleihen. Dies erschwert die Refinanzierung der Banken und lässt den Libor entsprechend steigen. Die höheren Interbankensätze sind also auch kein Anzeichen dafür, dass sich die Banken untereinander weniger vertrauen.

Ansonsten stehen neben den US-Daten nächste Woche auch die PMIs für China und andere Schwellenländer im Fokus. Die Stimmung in den BRIC-Staaten hat sich zuletzt verbessert. In den rezessionsgeplagten Staaten Brasilien und Russland wird die wirtschaftliche Lage nicht mehr ganz so negativ eingeschätzt. In Brasilien gibt es zudem Hoffnungen auf ein Ende des politischen Chaos. Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff in den nächsten Tagen definitiv abgesetzt wird. Andererseits zeigte sich zuletzt aber auch wieder die Schwankungsanfälligkeit von Schwellenländeranlagen. Höhere US-Zinserwartungen und niedrigere Ölpreise haben diese Woche den Risikoappetit nach Wertpapieren aus den aufstrebenden Märkten umgehend sinken lassen. Schliesslich gibt es nächste Woche mit dem Einkaufsmanagerindex und dem KOF-Konjunkturbarometer auch neue Hinweise zur Lage der Schweizer Konjunktur. Der PMI notierte im Juli lediglich bei 50.1 nachdem er in den Monaten zuvor auf übertrieben optimistische Niveaus gestiegen war.

 

Quelle: BONDWorld.ch