„#YellenInDerZwickmühle“„

Seit Donald Trumps Wahlsieg am 8. November interessieren sich die Anleger stark für den Twitterkanal des Präsidenten. Durchschnittlich 7 präsidiale Tweets pro Tag, von denen einige die Märkte durchaus irritieren, liefern reichlich Gesprächsstoff….


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Von  Greg Meier  US Investment Strategist, Vice President


Als sich Trump z.B. zum Monatsbeginn über US-Autofabriken in Mexiko ausließ, brach der Peso – immerhin die am zehnthäufigsten gehandelte Währung der Welt – um 3,5% gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten je verzeichneten Stand ein. Insofern ist es nicht überraschend, dass Trumps Twitterkanal inzwischen über 100.000 Zugriffe pro Tag verzeichnet.

Auch nächste Woche werden Trumps Tweets zweifelsohne neue, interessante Schlagzeilen verursachen. Aber zumindest auf makroökonomischer Ebene werden daneben andere wichtige Ereignisse stattfinden. Drei der vier großen Zentralbanken werden sich mit den Komplexitäten der Geldpolitik befassen, nämlich die Federal Reserve in den USA (Fed), die Bank of England und die Bank of Japan. Diese Institutionen vertreten Länder, in denen zusammengenommen über ein Drittel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet wird. Und ihre Aufgabe wird schwieriger. Niemand möchte gern Zielscheibe eines Trump-Tweets sein, aber möglicherweise können die Zentralbanker angesichts der unterschiedlichen Entwicklungen in der Welt nur noch zwischen Pest und Cholera wählen.

Die USA haben z.B. im Vergleich zu anderen Ländern gut abgeschnitten. Nach der Krise war die Erholung zwar nicht besonders kräftig, hat sich aber inzwischen zum drittlängsten Aufschwung in der US-Geschichte entwickelt. Real ist das US-BIP daher um über 12% höher als vor der Krise, wohingegen der Euroraum und Japan nur einen Zuwachs um weniger als 3% verzeichnen konnten. Die US-Inflation, die ohnehin bereits anzieht, könnte sich weiter beschleunigen, wenn der Kongress die Steuersenkungs- und Infrastrukturpläne von Präsident Trump bestätigt. Nicht zuletzt deshalb haben die Geldpolitiker der Federal Reserve drei Zinsanhebungen für 2017 prognostiziert. Bei einer solchen Entwicklung lägen die USLeitzinsen immer noch nahe dem Allzeittiefstand, und die Auswirkungen auf die Märkte sollten minimal sein – oder etwa nicht?

Nicht unbedingt. Wenn die Federal Reserve ihre akkommodierende Geldpolitik langsam zurücknimmt, andere Zentralbanken aber weitere Lockerungen vornehmen (siehe auch unsere Grafik der Woche), könnte der US-Dollar aufwerten, weil Anleger ihr Kapital auf der Jagd nach den vergleichsweise hohen US-Renditen aus dem Ausland in die USA umschichten. Zinsanhebungen der Fed könnten sich daher als Hindernis für einige Prioritäten erweisen, die Trump unter dem Schlagwort „America First“ zusammengefasst hat, z.B. die US-Exporte und das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe. Der offizielle Tweet – so etwas wie „Chair Yellen – raising rates – hurting American workers. Sad.“ („Yellen hebt Zinsen an und schadet amerikanischen Arbeitern. Traurig.“) – ist vielleicht schon geschrieben.

Am Dienstag wird die geldpolitische Entscheidung der Bank of Japan im Mittelpunkt stehen. Zwar sind keine größeren Änderungen an den Zins- oder Kaufprogrammen zu erwarten, aber möglicherweise – so NikkeiAgenturberichte – werden die Wachstumsprognosen aktualisiert. Dabei werden die jüngsten offiziellen Daten zu den Einzelhandelsumsätzen, der Arbeitslosenquote und der Industrieproduktion eine Rolle spielen.  

Am Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit dann auf die Fed. Am Futures-Markt ist eine Zinsanhebung nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 3% eingepreist; die Geldpolitiker dürften jedoch festhalten, dass Wachstum, Beschäftigung und Inflation weiter angestiegen sind. Yellen äußerte bei der Pressekonferenz im Dezember, dass die Fiskalpolitik unter einer „Wolke der Unsicherheit“ liege. Solche Formulierungen könnten zu vernehmlichem Grummeln führen, wenn sie in die offizielle Pressemitteilung der Fed aufgenommen werden.

Am Donnerstag ist dann die Bank of England an der Reihe. Zum Monatsbeginn sagte Gouverneur Carney, er werde die Inflation nicht unbegrenzt ansteigen lassen. Im Dezember hatte die Verbraucherpreisinflation mit 1,6% den höchsten Stand seit Mitte 2014 erreicht. Ein baldiger Kurswechsel in der Geldpolitik ist jedoch angesichts des nahenden Brexit unwahrscheinlich. Premierministerin Theresa May will spätestens am 30. März einen Antrag nach Artikel 50 stellen und damit das offizielle Austrittsverfahren aus der EU einleiten.

Am Freitag steht der US-Beschäftigungsbericht an. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,7% verharren und damit deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 5,8% liegen. Außerhalb des Agrarsektors könnten 160.000 neue Stellen geschaffen worden sein. Damit würde die Beschäftigung in den USA im 76. Monat in Folge zunehmen. Seit 1939 wurde noch nie ein so langer Beschäftigungszuwachs verzeichnet.

Quelle: BondWorld.ch